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13.05.2024

Turbulenzen auf dem Flug über Hemmerswil

Die Volksschulgemeinde Amriswil-Hefenhofen-Sommeri präsentiert ihre Rechnung und informiert über ihr kommendes Millionenprojekt.


Bericht: Thurgauer Zeitung online: 13.05.2024 - Manuel Nagel

Eine kleine Bemerkung von Schulpräsident Michael Stäheli-Engel ganz zum Schluss der Veranstaltung zeigte das Dilemma der Volksschulgemeinde Amriswil-Hefenhofen-Sommeri auf, in dem sie mit ihrer Schulanlage in Hemmerswil steckt. Es sei schwierig gewesen, die Anzahl Leute abzuschätzen, die an diese Infoveranstaltung kommen würden, sagte Stäheli. Deshalb habe man sich gegen die Turnhalle und für den Korridor entschieden. Paradoxerweise hatte man sich für die weniger geräumige Variante entschieden, weil man mit mehr als 50 Personen gerechnet hatte, weil sich aber in der Turnhalle aus feuerpolizeilichen Gründen nur bis zu 50 Leute aufhalten dürfen.

Minus ist 300000 Franken kleiner als budgetiert

«Heute hätte es vielleicht gerade gereicht und wir könnten knapp unter der erlaubten Zahl liegen, aber das ist halt immer schwierig vorherzusagen», sagte Stäheli. So mussten die rund 50 Interessierten mit den engen Verhältnissen in der oberen Etage des Schulhauses vorliebnehmen, was eher der Bestuhlung eines Flugzeuges denn einer Infoveranstaltung glich – was Stäheli zur Begrüssung zu einem «Hier spricht ihr Kapitän, bitte nehmen Sie ihre Sitze ein» mit Augenzwinkern hinreissen liess.

Es folgte ein Kurzstreckenflug durch das vergangene Rechnungsjahr der Schule, auf dem Maître de Cabine Severin Gutjahr-Preisig den Passagieren einige gut verdauliche Häppchen an Finanzkennzahlen offerierte. Etwa, dass die VSG das Jahr 2023 mit ziemlich genau 38 Millionen Franken Aufwand nicht mit einer halben Million Verlust wie budgetiert, sondern nur mit einem Minus von 153449 Franken abschliesst. Und das, obwohl die Steuereinnahmen wie bei der Stadt auch bei der Schule eingebrochen sind. Ganze 3,9 Millionen waren es weniger als gedacht. Doch bei den Schul- gemeinden gleicht der Transfer-ertrag des Kanton diese Schwankungen wieder aus.

Auffällig waren diesbezüglich auch die um fast eine halbe Millionen höheren Personalkosten als im Budget. Das sei unter anderem auch auf die erhöhten schulergänzenden Betreuungsmassnahmen zurückzuführen. Dabei übernehme die Schule auch Aufgaben, welche die Stadt finanzieren könnte oder müsste, doch für den Steuerzahler spiele es letztlich keine Rolle, ob er das aus seiner linken oder rechten Hosentasche bezahle.

Dringlichkeit nach neuem Schulraum ist allen bewusst

Nach der Zwischenverpflegung übernahm Michael Stähelis Co-Pilot Samuel Oberholzer das Steuer. Der Vize-Präsident der VSG hatte die undankbare Aufgabe, als Präsident der Baukommission den Flugpassagieren die Grosswetterlage zum Thema Schulhausneubau in Hemmerswil zu erklären und das Millionen-Projekt sicher durch die zu erwartenden Turbulenzen zu bringen. Insbesondere deshalb, weil letzte Woche die SVP Amriswil für den Projektierungskredit über 1,627 Millionen Franken, über den am 9. Juni an der Urne abgestimmt wird, die Nein-Parole beschlossen hatte, obschon die SVP neuen Schulraum aufgrund stark steigender Schülerzahlen nicht grundsätzlich infrage stellt. Die Dringlichkeit ist allen Akteuren bewusst.

Laut Oberholzer kann das Schulhaus Hemmerswil nach mehr als 40 Jahren nicht mehr zeitgemäss saniert werden. Ein Ersatzneubau sei unter allen geprüften Varianten die beste Lösung. Ein Problem sei etwa die Haustechnik, für die es keine Ersatzteile mehr gebe, die im Winter das Schulhaus nicht mehr richtig heizen und an heissen Sommertagen nicht mehr kühlen könne. Eine zeitgemässe Aufteilung der Schulräume mit an die Klassenzimmer angrenzenden Gruppenräumen sei bei einer Sanierung auch nur bedingt möglich.

Ob dann die besten Lehrkräfte in Zeiten von Lehrermangel solche Arbeitsbedingungen hinnehmen, oder ob sie sich nicht lieber einen modernen Arbeitsplatz suchen? Das sei nur eines der Risiken, die man eingehe, wenn man das Gefühl habe, man könne einfach ein Klimagerät ins Klassenzimmer stellen, gab Schulleiter Daniel Zürcher zu bedenken. Denn auch solche Lösungen hörte man bei einigen der anwesenden Parteivertreter, die einen Neubau hinterfragen.

Kanton muss Standort für Provisorium zustimmen

Zumindest in Sachen Provisorium konnte die VSG schon mal einen Erfolg verbuchen: In Gesprächen mit Landbesitzer, Pächter und der Stadt Amriswil habe man gefunden, dass eine Übergangslösung für das Schulhaus unmittelbar neben dem jetzigen Gebäude zu stehen kommen könnte. Weil das aber Landwirtschaftszone ist, braucht es auch das Okay des Kantons. Schulpräsident Stäheli hofft da auf Augenmass in Frauenfeld, damit die Schulkinder in Hemmerswil dort bleiben und nicht täglich irgendwohin gefahren werden müssten.

Doch bevor wahrscheinlich die Antwort des Kantons bei der Schulverwaltung eintrifft, werden die Schulbürger in vier Wochen entscheiden, ob die neue geplante Schulanlage eine Bruchlandung erleidet, bevor sie überhaupt abheben konnte.