News Nordstrasse

16.02.2024

20 Jahre Friedensstifter an der Nordstrasse

Seit nunmehr zwei Jahrzehnten haben an der Nordstrasse über 260 Schülerinnen und Schüler die Ausbildung zum Friedensstifter absolviert. Dieses Projekt erfreut sich gleichermassen der Begeisterung der Kinder wie auch der Lehrkräfte.


Im aktuellen Schuljahr sind 15 Schülerinnen und Schüler als Friedensstifter auf dem Pausenhof tätig und tragen so zu einer friedlicheren Atmosphäre bei. Diese Kinder wurden am Ende des vorherigen Schuljahres von ihren Klassen als Friedensstifter ausgewählt. Die Auswahl erfolgte durch ein klar geregeltes Verfahren, bei dem die Schülerinnen und Schüler ihre Klassenkameraden davon überzeugen mussten, für sie zu stimmen. In jeder Klasse kann jeweils ein Mädchen und ein Junge gewählt werden.

Nach der Wahl wurden die Kinder in einem zweitägigen Training von zwei Lehrkräften zu Friedensstiftern ausgebildet. Im ersten Teil der Ausbildung steht das Thema Gewalt im Mittelpunkt. Die Kinder erkennen dabei nach und nach, dass Gewalt nicht nur körperlich sein kann, sondern auch in verbaler Form, gegenüber Sachen, im Internet und auf andere Weisen auftreten kann. Es ist für die angehenden Friedensstifter auch entscheidend, Gewalt aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Dazu teilen sie ihre eigenen Erfahrungen als Zeugen, Täter oder Opfer von Gewalt. Alle Fragen werden in der Gruppe diskutiert, und es wird erläutert, warum Menschen möglicherweise Gewalt ausüben oder was Opfer von Gewalt benötigen können.

Im weiteren Verlauf der Ausbildung wird der Gewaltkreis und die Gewaltkette behandelt. Dabei wird auch darauf hingewiesen, wann und wo Friedensstifter eingreifen können: nämlich, wenn der Gewaltkreis zu rotieren beginnt oder die Gewaltkette noch kurz ist. Am zweiten Tag wird die Arbeit der Friedensstifter genauer betrachtet. Sie lernen, wie sie Konflikte unter Mitschülern mithilfe eines Fünfschritte-Schemas konstruktiv lösen können. In Rollenspielen üben sie, das Fünfschritte-Modell anzuwenden und gewinnen so Sicherheit für ihre Arbeit nach den Sommerferien.

Es ist den Lehrkräften wichtig zu betonen, dass die Friedensstifter keine Polizisten oder Richter sind und auch nicht die Aufsichtspflicht der Lehrkräfte ersetzen. Ihre Aufgabe besteht darin, Konflikte oder Unstimmigkeiten unter Schülern auf dem Pausenhof oder innerhalb der Klasse zu lösen oder es zumindest zu versuchen. Sie lösen Konflikte immer zu zweit und befassen sich nur mit Konflikten zwischen gleichaltrigen oder jüngeren Kindern. Idealerweise ist jeweils ein Mädchen und ein Junge als Friedensstifter aktiv. Wenn sie einen Konflikt nicht lösen können, wenden sie sich an die Aufsicht, eine Peacemaker-Ausbildner oder die Lehrkräfte der beteiligten Kinder.

Es ist wichtig, dass auch die Friedensstifter ihre Pausen geniessen und nicht ständig den Pausenplatz überwachen müssen. Die anderen Kinder wissen, wer in diesem Schuljahr als Friedensstifter fungiert und sollen sie selbst holen, wenn sie benötigt werden. Und Friedensstifter dürfen auch streiten!

 

Die Friedensstifter des aktuellen Schuljahres sind stolz auf ihre Arbeit. Sie freuen sich darüber, dass sie Konflikte immer besser lösen können und anderen Kindern helfen können. Dies sind auch die Gründe, warum sie Friedensstifter werden wollten. Laut eigenen Angaben haben sie bereits im ersten Semester viel über Konfliktlösung, Hilfe, Durchsetzungsvermögen und Geduld gelernt. Natürlich stossen sie auch auf Schwierigkeiten, wie Kinder, die nicht zuhören können oder weglaufen. In solchen Situationen holen die Friedensstifter die Lehrkräfte zu Hilfe. Diese Schwierigkeiten werden auch in den monatlichen Treffen besprochen, bei denen jeweils ein neues Thema behandelt wird. Die Friedensstifter schätzen diese Treffen sehr und freuen sich auf den Abschluss im Sommer, der oft mit einem Ausflug in das Schwimmbad verbunden ist.