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der Volksschulgemeinde Amriswil-Hefenhofen-Sommeri

zum neuen Thurgauer Lehrplan

Blogbeiträge

Es beginnt eine vierjährige Lehrzeit

11.08.2017, blogredaktor - Thurgauer Lehrplan Blog

Der Rauch ist verzogen, der Lärm der Auseinandersetzung ist verhallt. Irgendwie ist Normalität eingekehrt. Ist das in Bezug auf den Lehrplan ein gutes Zeichen?

Markus Mendelin, Alt-Schulpräsident Amriswil-Hefenhofen-Sommeri

Die Einführung eines neuen Lehrplanes ist eine diffizile Angelegenheit. Das wissen wir aus der Erfahrung vergangener Zeit. Wo stehen wir und welche Grundvoraussetzungen sind nötig, damit die Einführung gelingt?

Zeit haben, Zeit nehmen

Die Einführung eines neuen Lehrplanes ist ein Prozess, den es zu gestalten gilt. Die Gestalter/innen dieses Prozesses finden sich zuallererst in den Schulen. Dort, in der täglichen pädagogischen Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern, soll der Lehrplan seine Wirkung entfalten. Langsam aber sicher. Das heisst konkret, dass die Schulleitungen zusammen mit den Teammitgliedern Strategien entwickeln, wie der Lehrplan langsam in den Unterricht einsickern kann. Man kann durchaus Anleihen aus einer erfolgreichen Gartengestaltung nehmen. Damit Pflanzen gedeihen, braucht es ein Zusammenspiel von bekannten Faktoren: Gutes Timing, einen gut vorbereiteten und nahrhaften Boden, ein Gespür für Pflanzen, die richtigen Werkzeuge und nicht zuletzt gute Nachbarschaft.

Gutes Timing

Niemand pflanzt einen Garten an einem Tag. Der gute Gartengestalter hat einen Plan. Und er nimmt Rücksicht auf das, was schon blüht und gedeiht, zum Teil schon seit Jahren blüht, Früchte trägt und Freude macht. Genauso stelle ich mir die Einführung des neuen Lehrplanes vor. Unsere Schule ist ein Garten, der schon Gestalt hat, der differenzierte Strukturen hat und für möglichst viele Pflanzen ein idealer Lebensraum darstellt. Es gibt Platz für einjährige Pflanzen, für mehrjährige Kräuter und Blütenpflanzen, für schützende Sträucher und schattenspendende Bäume. Ein Garten halt, von dem jeder und jede träumt.

Ein gut vorbereiteter, nahrhafter Boden

Wir planen unseren Garten nicht in der Wüste Gobi. Gott sei Dank. Unsere Gärten, unsere Schulen sind bereits da, sie sind begrünt, strukturiert, aber trotzdem sehr persönlich. Und jeder Gartengestalter hat die Freiheit der Methode. Jeder hat eigene, spezifische Rezepturen, die er als erfolgsversprechend betrachtet und die aus der Erfahrung leben. Und der gute Gärtner und die gute Gärtnerin wissen, dass guter Kompost langfristig eine gute Ernte garantiert. Kunstdünger aber, das wissen sie auch, mag kurzfristig Feuerwerke erzeugen, langfristig aber Schaden anrichten.

Ein Gespür für Pflanzen

Die Kinder sollen in unserem Garten aufblühen, sollen langsam zu erwachsenen Menschen werden, neugierig bleiben, sozial und solidarisch denken und handeln lernen. Unsere Gärtnerinnen und Gärtner sind gut vorbereitet und haben ein Gespür für richtige Gartengestaltung und die Pflanzen, die darin wachsen sollen. Nicht jeder oder jede ist ein geborener Gärtner. Aber eine Affinität zur Aufgabe und eine gute Ausbildung helfen enorm. Die Erfahrung hilft, Entscheidendes noch besser zu machen.

Die richtigen Werkzeuge

Wir wissen aus der Kulturgeschichte, dass sich die Werkzeuge des Gärtners im Lauf der Zeit nur unwesentlich verändert haben. Ich arbeite im Garten noch mit Gerätschaften meines Grossvaters, die aber heute in ähnlicher Gestalt im Gartencenter noch zu haben sind. Klar, daneben stehen auch Laubbläser, Häckselmaschinen, Bodenfräsen. Der hiesige Gärtner kann gut darauf verzichten. Sein Garten ist überschaubar und anspruchsvoll.

Der Gärtner versteht sein Handwerk, teilt seine Kräfte ein, reflektiert die vergangenen Gartenjahre und hat ein Verzeichnis über Erfolge und Misserfolge erstellt. Dieselben Fehler will er nicht zweimal machen.

Eine gute Nachbarschaft

Die Gärtnerinnen und Gärtner helfen einander, respektieren die Arbeit des Nachbarn. Aber sie tauschen Erfahrungen aus, geben preis, was bei ihnen funktioniert, was zum guten Wachstum der Pflanzen beiträgt und die Ernte verbessert. Sie tauschen Samen und Setzlinge aus und sie sind da, wenn der Nachbar oder die Nachbarin Hilfe braucht.

Schluss, Punkt

Der Gärtner/die Gärtnerin schüttelt den Kopf und richtet sich mühsam auf. Der Rücken schmerzt, und der Muskelkater vom nächsten Tag kündigt sich durch ein Ziehen im Oberschenkel an. Diese pensionierten Idealisten haben keine Ahnung vom Lehrplan!